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Pressestimmen
Nach der Tagesschau ins BettVon Katharina Blaß, 31.10.10, 17:50h Sieben Anwärter bewarben sich um den Euskirchener Kleinkunstpreis. Den Gewinner hatte niemand auf der Rechnung. Der Kandidat Malte Pieper, der eine erkrankte Künstlerin ersetzte, sicherte sich im City-Forum den Titel.Euskirchen - Er kam, sprach und siegte. Der 19-jährige Malte Pieper war spontan als Ersatzkandidat für eine erkrankte Künstlerin angereist und begeisterte die Zuschauer so sehr, dass sie ihn auf Rang eins wählten. Über 550 Zuschauer waren ins City-Forum gekommen, um die sieben Anwärter auf den Euskirchener Kleinkunstpreis zu sehen und zu bewerten. Pieper punktete vor allem mit Selbstironie. Der Aachener Schüler erzählte, in seiner Klasse sei er der Einzige, der die Tagesschau gucke, aber auch der Einzige, der gleich danach ins Bett müsse. Seinem Vater unterstellte er, es sei durchaus möglich, dass er ihn mit dem Auto überrolle, denn „wer sein Kind Malte nennt, der fährt auch drüber“. Einen weiteren Sympathiepunkt heimste der hagere Junge mit einem kleinen Seitenhieb gegen Uwe Friedl ein. „Sie sind seit '99 im Amt, hab ich gelesen“, sagte Pieper zum Bürgermeister. „Da müssen sie ja irgendwas richtig gemacht haben. Wenn ich so in die Gesichter hier schaue, weiß aber keiner, was!“ Im weiteren Verlauf seines Auftritts sezierte Pieper unter anderem den Dialog aus einem Werbespot für Joghurt, in dem zwei Frauen sich sehr hölzern über ihre Magenprobleme unterhalten. Jeder der sieben Künstler oder Künstlergruppen hatte 15 Minuten Zeit, um die Gunst des Publikums zu gewinnen. Am zweitbesten gelang dies Stefan Schneider mit seiner Comedy-Artistik. Er beorderte eine Zuschauerin auf die Bühne, hob sie auf seine Schultern und fuhr so mit ihr auf einem Einrad hin und her. Die Komik entstand vor allem über seine Kommentare, die er auf Kosten der jungen Dame machte. Gesangsquartett wurde Dritter Mit dem dritten Platz bedachten die Zuschauer, die sich zweieinhalb Stunden köstlich amüsierten, das Gesangsquartett „Vocal Recall“. Die „einzige Boygroup mit Frau“ sang auf bekannte Melodien witzige kreative Texte. Auf Billy Joels Stück „Uptown Girl“ projizierte sie die Situation, in der eine Frau nicht mit ihrem Kühlschrank zurechtkommt und der Monteur ihr rät, sie solle ihr Gerät „Abtaun' girl, diesen Kühlschrank musst du abtaun', girl“. Danach sang die Gruppe von dem Problem, dass Jugendliche zwar Subkulturenauthentizität bräuchten, dieses Wort aber leider nicht aussprechen könnten. Zu guter Letzt überzeugte das Quartett das Publikum mit einem Stück über Beethovens „Für Elise“, das der Pianist der Gruppe, Martin, immer für seine Freundin spielen muss. Auf besagte Melodie hieß es: „Martins Freundin hört so gerne 'für Elise', das Klavierstück, dieses fiese. Das so klingt wie eine leiernde Markise.“ Überhaupt befassten sich die meisten Akteure am Samstag mit dem Thema Sprache. Während „Vocal Recall“ mit musikalischer Textraffinesse glänzte und Malte Pieper mit witzigen Werbespotanalysen, nahm Özgür Cebe, Sohn türkisch-kurdischer Migranten, seine Spezies „Homo mustafasius“ aufs Korn. Er befeuerte die Integrationsdebatte mit dem Vorschlag, das Kinderlied „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ in „Murat hat den Hans bestohlen“ umzuformulieren, um den Migrantenkindern „kulturell näher zu sein“. Der Kabarettist Frank Fischer machte sich über die Dialekte von Leuten lustig, die in Radiosendungen anrufen, und Politsatiriker Christoph Tiemann stellte die Notwendigkeit der 16 Bundesländer in Frage, was er mit der Imitation unterschiedlicher Dialekte untermalte. Einzige Solokünstlerin war Anette Herbst aus Basel, die eine „Oper der modernen Musik“ mit Geräuschen inszenierte. Den Kleinkunstpreis verleiht der Euskirchener Verein „Frauen helfen Frauen“ seit fünf Jahren. Das Preisgeld in Höhe von 1111 Euro stellte die Regionalgas GmbH zur Verfügung. Um den Kleinkunstpreis hatten sich rund 80 Künstler beworben. „Wir haben dann einfach die Bewerbungsvideos geschaut und diejenigen ausgewählt, die uns am besten unterhalten haben“, erzählte Jury-Mitglied Gaby Bärenklau. Für das City-Forum als Veranstaltungsort hatte sich der Verein entscheiden, „weil hier die Zuschauer sich an langen Tischen gegenübersitzen und sich im Gespräch austauschen können“, so Bärenklau. So angenehm es für die Zuschauer war, so groß war die Herausforderung für die Künstler: „In Euskirchen heißt es wohl Kleinkunst, weil sich der Künstler auf der riesigen Bühne so klein fühlt“, bemerkte Christoph Tiemann. |



